Hass auf Höcke

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin sei ein „Denkmal der Schande im Herzen der Hauptstadt“, sagte Björn Höcke am Dienstag bei einer Versammlung der Jungen Alternative in Dresden. Siehe hier. Damit löste er das aus, was wir im veramerikanisierten Neudeutschen einen „Shitstorm“ nennen. Die Gemeinschaft der billig und gerecht denkenden Gut- und Bessermenschen prügelt nun auf Höcke ein und versucht nach Kräften den Eindruck zu erwecken, er habe den Holocaust geleugnet.

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Das Gegenteil ist richtig. Höcke sprach gestern in Dresden klipp und klar von der Herrschaft des NS-Regimes als den „zwölf furchtbaren Jahren“, auf die sich allerdings nach seiner Einschätzung die deutsche Geschichte nicht reduzieren läßt. Wer will ernsthaft etwas anderes behaupten?

Und genau genommen kritisierte er weniger das Berliner Holocaust-Mahnmal als vielmehr dessen exponierte Lage im Herzen der deutschen Hauptstadt. Gibt es eine andere Nation außer der deutschen, die ein vergleichbares Monument der Dokumentation eigener Schande in die Nähe von Parlament und Regierungssitz rückt? – Nein! – Und warum nicht? – Weil es die anderen Nationen vorziehen, dort den positiven Aspekten der eigenen Geschichte Aufmerksamkeit zu geben.

Als „normal“ gilt regelmäßig das, was alle machen. „Normal“ ist ein „Denkmal der Schande im Herzen der Hauptstadt“ ganz sicher nicht. Was also soll verwerflich daran sein, diesen Aspekt deutscher Anormalität zu kritisieren?

Martin Walser hat dazu 1998 in der Paulskirche gesagt:

„In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fußballfeldgroßen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande. Der Historiker Heinrich August Winkler nennt das ’negativen Nationalismus‘. Daß der, auch wenn er sich tausendmal besser vorkommt, kein bißchen besser ist als sein Gegenteil, wage ich zu vermuten. Wahrscheinlich gibt es auch eine Banalität des Guten.“

Und Rudolf Augstein ergänzte im „Spiegel“:

„Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität.“

Verglichen mit diesen Zitaten von Walser und Augstein sind Höckes Äußerungen eher harmlos. Wozu dann die ganze Aufregung?

Antwort: Der Hass auf Höcke ist interessengeleitet, die Empörung ist einstudiert, also nicht echt.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zeigt sich „persönlich besonders entsetzt“ über Höckes Äußerungen und spricht von „Demagogie“. Josef Schuster vom Zentralrat der Juden in Deutschland meint, „die AfD zeigt mit diesen antisemitischen und in höchstem Maße menschenfeindlichen Worten ihr wahres Gesicht“. Politiker der Linken werfen ihm „Nazi-Diktion“ vor und haben eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung angekündigt.

Die wird ins Leere laufen. Höcke hat nichts volksverhetzendes geäußert. Seine Rede bekam öffentlich mehr Aufmerksamkeit als die Abschiedsworte des scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck (Rubrik: langweilig), und sie hätte für die AfD politisch ein großer Erfolg werden können – wenn sie nicht Distanzierungs-Reflexe in den eigenen Reihen ausgelöst hätte.

Frauke Petry meint, Höcke sei „mit seinen Alleingängen und ständigen Querschüssen zu einer Belastung für die Partei geworden“. Das schreibt die „Junge Freiheit“, die den Streit in die Welt hinaus posaunt und damit die „Lügenpresse“ füttert. Alexander Gauland, ein Mann mit Erfahrung, bemüht sich um Schadensbegrenzung („Ich verstehe die ganze Aufregung nicht …“), kommt aber wahrscheinlich zu spät. Das gesprochene Wort, einmal in die Welt entlassen, läßt sich nicht mehr zurückziehen.

Markus Pretzel, dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden der AfD, ist unbedingt recht zu geben, wenn er FPÖ, Front Nation und Wilders PVV als Vorbilder für dauerhafte freiheitliche Wahlerfolge definiert. Keiner dieser Parteien würde es einfallen, sich für ein „Denkmal der Schande“ in Wien, Paris oder Amsterdam stark zu machen. Oder sich öffentlich so zerstritten zu zeigen, wie die AfD in diesen Tagen.

Es steht viel auf dem Spiel. Ich wünsche mir die Einheit der politikfähigen Patrioten in Deutschland – jenseits der alten ideologischen Konstrukte von „rechts“ und „links“. Demokratisch, freiheitlich und volksverbunden. Sozial und patriotisch.

Ist das zu viel verlangt? – Hoffentlich nicht! Denn nur gemeinsam sind wir stark!

Foto: CC-Lizenz, Alexander Dalbert

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8 Gedanken zu „Hass auf Höcke

  • 19. Januar 2017 um 22:20
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    Dummes Pack!!

  • 19. Januar 2017 um 17:47
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    Was Höcke gesagt hat, denken die Mehrheit der Deutschen: das Denkmal in Berlin ist hässlich und riesig. Warum hat man nicht ein kleineres bauen können, oder Eisenman überredet was kleineres zu bauen. Ich möchte gerne eine Volksbefragung organisieren, nicht in Berlin, wo wir mit zu vielen Grünen und Linken zu tun haben, sondern in ganzen Deutschland. Und wenn die Mehrheit mit „nein“ antwortet , dann könnte man  alle die Klötzen zerstören und ein neues kleineres bauen oder auch gar keins. Ich bin nach dem Krieg geboren und kann nicht verantwortlich sein für die Taten meiner Väter.

    • 25. Januar 2017 um 13:02
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      Woher wissen Sie, was „die Mehrheit der Deutschen“ denkt?

  • 19. Januar 2017 um 11:31
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    Die deutsche Sprache hat Fallstricke und viele Kommentatoren haben sich in ihnen verirrt.

    Das  Deutsche kann manchmal doppeldeutig sein, denn  „das Denkmal der Schande …“ bezeichnet nicht das Denkmal als Schande, sondern es ist das Denkmal für die Schande!

    Der Deutschlehrer Höcke hat diese Doppelsinnigkeit möglicherweise bewußt gesetzt, als Provokation verstanden haben wollen. Das ist ihm gelungen, aber zu welchem Preis? Deshab ist Aufklärung und richtige Einordnung so wichtig.

    Seine Gegner, auch Frau Petry, drehen ihm das Wort im Munde um. Nur Herr Gauland hat den Sinn mal wieder verstanden, seine Einlassung kommt spät, aber immerhin.

    Höckes Rede spricht viele Aspekte an, reitzt zur Diskussion, und das ist auch gut so. Das Problem ist nur, daß  viele ihn nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, sie sind vielleicht auch überfordert. Die Junge Alternative ist es offenbar nicht.

  • 19. Januar 2017 um 10:54
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    Statt eines langen Textes, drei Zitate, die vielleicht (?) zum Thema passen:

    Fontane, Theodor (1819 – 1898), Dichter, Schriftsteller, Herausgeber,Berichterstatter
     „Fürchtet nicht, wenn die ganze Meute aufschreit. Denn nichts ist auf dieser Welt so gehasst und gefürchtet wie die Wahrheit.“
     Napoleon Bonaparte (1769 – 1821); Erster Konsul der französischen Republik, Kaiser der Franzosen (Napoleon I.)
     Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das Deutsche.
    Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie.
    Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung,
    als ihre wirklichen Feinde.

     

  • 19. Januar 2017 um 9:04
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    Die AfD macht den gleichen Fehler wie damals die CDU im Falle Martin Homann:
    Zitate nach Stichworten (besser Reizworten) herauspicken und dann pauschal verurteilen, ohne vorher sich über den Kontext informiert zu haben.
    Dass die AfD ihre mutmaßliche Schmutzwäsche in aller Öffentlichkeit wäscht, ist unklug.
    Petry hat offenbar Schi** vor der eigenen Courage.

  • 18. Januar 2017 um 22:54
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    Schon mein Großvater sagte, Politik ist ein schmutziges Geschäft. Anderen die Worte im Mund umdrehen, an sich klare Aussagen schmutzig kommentieren, mit Unterstellungen versehen, wer denkt, daß das Wahlvolk geistig Minderbemittelt ist und alles schluckt, irrt sich. Distanzierungsreflexe in den eigenenReihen? Es ist doch eine bekannte Tatsache, daß man bei denen, die Konkurrenten sind , auch in der Politik, verdeckte eigene Leute einschleust, die im geeigneten Moment, und das hier war ein solcher, auf diese Weise in Erscheinung treten und mit Querschüssen die „eigene“ Truppe zu innenren Grabenkämpfen hinreißt. Na und wenn die Fr.Petry darauf reinfällt und auch Distanzierungsblödsinn abläßt haben diese Elemente ja Ihr Ziel erreicht. Schön, daß es Erinnerungen an Walser und Augstein gibt, denen man auch heute noch ruhig zustimmen kann.

    • 19. Januar 2017 um 9:01
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      Chapeau, Herr Lüdemann – stimme Ihnen zu 100% zu. Danke!

Kommentare sind geschlossen.