Mitterrand wollte Hess freilassen

Wäre es nach dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand gegangen, dann hätte der Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess im Jahr 1986 aus dem Kriegsverbrecher-Gefängnis in Berlin-Spandau freikommen können. Das ergibt sich aus bislang geheimen Unterlagen, die das deutsche Auswärtige Amt jetzt dem Institut für Zeitgeschichte in München zur Veröffentlichung überlassen hat. Zu diesen Unterlagen gehören insbesondere Notizen über ein Gespräch, das Mitterand am 26. August 1986 in Heidelberg mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl geführt hat. Demnach stand Kohl seinerzeit im Kontakt zu Mitgliedern der Familie von Hess, die um Unterstützung für den im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß 1946 zu lebenslanger Haft verurteilten, damals 92-Jährigen gebeten hatten.

Mitterand (links) im Gespräch mit Kohl.

Den Unterlagen zufolge hat sich Mitterand positiv über Hess geäußert, nachdem er von Kohl auf dessen Schicksal angesprochen worden war. Mit seinem Flug nach Großbritannien habe Hess „eine außerordentliche Tat mit einem großen Risiko vollbracht“, soll Mitterand geäußert haben. Er habe 1946 das Verfahren gegen Hess als französischer Journalist in Nürnberg verfolgt. Die Situation sei „dramatisch gewesen“. Er würde Hess gerne freilassen. Aber die Sowjetunion würde dem „nicht zustimmen“.

Im Jahr nach dem Gespräch Kohls mit Mitterand starb Hess unter misteriösen Umständen. Offiziell ist von Selbstmord die Rede. Hess‘ Familie geht nach einer Obduktion der Leiche von Mord durch den britischen Geheimdienst aus.

Mitterand war Politiker der Sozialistischen Partei (PS) und 14 Jahre lang französischer Präsident. In seiner Jugend gehörte er einer nationalistischen Organisation an. Bis 1942 unterstützte er zunächst die Regierung von Philippe Pétain und die Zusammenarbeit mit Deutschland, wechselte dann aber auf die Seite der Resistance. 1989 gehörte Mitterand zu den aktivsten Befürwortern der Neuvereinigung Deutschlands.

Foto oben: Rudolf Hess auf dem Hof des Spandauer Kriegsverbrecher-Gefängnisses kurz vor seinem Tod 1987

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Ein Gedanke zu „Mitterrand wollte Hess freilassen

  • 28. Januar 2017 um 17:06
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    Dass Mitterand zu den Befürwortern der Wiedervereinigung gehört haben soll ist mehr als fragwürdig. Er hat noch die Regierung Modrow 1990 diplomatisch aufgewertet, als der Zug in Richtung Einheit nicht mehr aufzuhalten war. Er gehörte mit Thatcher und Andreotti zur Phalanx der verhinderten Einheitsverhinderer. Sie blieben erfolglos, weil die George Bush Senior/James Baker Administration sich ihrem Treiben nicht anschloss.

    Damit ist natürlich eine humanitäre Intervention zugunsten von Rudolf Hess nicht ausgeschlossen. Zum Schluss hatten übrigens selbst die Russen kein Interesse mehr an Rudolf Hess. Bleiben also nur noch die Briten…

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