Das „Dschungelcamp“ ist ein Fake

Brot und Spiele dienten schon den Herrschern im alten Rom dazu, die Bevölkerung bei Laune und in Schach zu halten. Im jetzt auslaufenden Zeitalter des Globalisierungskapitalismus haben private Filmproduzenten die Rolle der Sklaventreiber übernommen, die ihre Gladiatoren zur Unterhaltung der Massen in die Arena schicken. Das „Dschungelcamp“ der Firma RTL ist ein solches, einschlägiges Format.

Selbstverständlich unterhält RTL kein Camp im Dschungel, um mit Stars und Sternchen Aufnahmen zu drehen, die den Platz zwischen den Werbeblöcken füllen. Falsch sind allerdings Gerüchte, nach denen die Sendung im „Tropical Island“ in Brandenburg entsteht. Ganz so einfach ist es dann doch nicht …

Das „Dschungelcamp“ wird auf dem Gelände einer Farm in Australien produziert. Die postalische Adresse dieser Farm lautet: Camp Dungay, 366 Dungay Creek Rd, Dungay NSW 2484, Australien – Bei Google Maps ist unter dieser Anschrift mittlerweile ganz offiziell das RTL „Dschungelcamp“ verzeichnet. Siehe hier.

Eigentümer des Geländes, das von der britischen Filmproduktionsfirma Independent Television gemietet und mit versteckter Kamera- und Tontechnik zugebaut wurde, ist eine Privatperson: Craig Parker. Er dürfte sich mittlerweile mit dem für landwirtschaftliche Zwecke kaum noch rentabel nutzbaren Gelände eine goldene Nase verdient haben. Neben der deutschen wird in Camp Dungay eine englischsprachige Version der Dschungel-Seifenoper produziert.

Auf Camp Dungay wachsen zwar durchaus tropische Pflanzen. Direkt daneben, fußläufig erreichbar, bewegen sich die Beteiligten allerdings auf urbanem Gelände – nicht nur mit elektrischem Strom und fließendem Wasser, sondern sogar mit einem Hubschrauber-Landeplatz –, und die nächste Stadt ist auch nicht weit. Sie heißt Murwillumbah.

Selbstverständlich wird das Leben der RTL-Gladiatoren in Camp Dungay bei Murwillumbah keineswegs von giftigen Schlangen oder Spinnen bedroht. Vor dem Beginn jedes Drehs suchen Ranger das Gelände ab und stellen sicher, dass dort nichts krabbelt oder kriecht, was einem der Beteiligten ernsthaft gefährlich werden könnte.

Weite Teile des Geländes sind außerdem mit Planen überzogen, die die teure Ton- und Kameratechnik vor der Witterung schützen. Falls es also in der Gegend drei Tage durchregnen sollte, müssen die Dreharbeiten nicht abgebrochen werden. Das würde ja ansonsten auch das ganze Fernsehprogramm durcheinander bringen.

RTL behauptet,  das Camp würde sich „im gefährlichsten Dschungel der Welt“ befinden. Das wäre zweifellos Neukölln-Nord in Berlin. – Die Fernseh-Macher haben sich offenbar um rund 14.000 Kilometer vertan.

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Ein Gedanke zu „Das „Dschungelcamp“ ist ein Fake

  • 23. Januar 2017 um 20:57
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    Die Mädels sind so schön geschminkt. Ist doch logisch, dass das ein Fake ist.

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