Update: Widersprüche in Quebec

Bei einem Anschlag auf eine Moschee in Quebec sind in der vorvergangenen Nacht sechs Menschen getötet worden. Die Polizei nahm zunächst zwei Männer als tatverdächtig fest. Sie seien – möglicherweise zusammen mit einem dritten Täter – mit einer Kalaschnikow und einer Pistole bewaffnet in das muslimische Gotteshaus gestürmt, hätten „Allahu Akbar“ gerufen und um sich geschossen. Die Identität der Tatverdächtigen war der Polizei vorgestern bereits bekannt. Einzelheiten sickerten aber erst nach und nach durch. Danach handelte es sich um Studenten der Laval-Universität in Quebec mit marokkanisch-muslimischem Zuwanderungshintergrund.

Zur politischen Deutung des Verbrechens zitieren Medien weltweit – trotz der „Allahu Akbar“-Rufe – den liberalen kanadischen Politiker Greg Fergus mit der Äußerung: „Dies ist ein Akt des Terrorismus — das Ergebnis einer jahrelangen Dämonisierung der Muslime. Worte können töten und hate speech hat Konsequenzen.“

Auch die deutschen Massenmedien thematisierten von Anfang an eine Tat mit fremdenfeindlichem Hintergrund.

Erst heute veröffentlichte die Polizei alternative Fakten: Einer der beiden Verdächtigen, der marokkanische Muslim Mohamed Khadir, wurde freigelassen und gilt jetzt nicht mehr als Tatverdächtiger, sondern als Zeuge. Täter sei demnach die andere festgenommene Person, der 27-jährige Student der Politikwissenschaften Alexandre Bissonnette, ein Kanadier. Kein Muslim.

Den neuen Angaben zufolge hat Bissonnette den Anschlag alleine verübt. Khadir, der als Muslim den Gottesdienst besuchte, habe neben einem Opfer gekniet, dem er helfen wollte. Dann habe er einen Mann mit Schußwaffe gesehen und sei deshalb weggelaufen. Bei dem Bewaffneten handelte es sich um einen Polizisten. Die Beamten hätten daraufhin Khadir für einen der Täter gehalten, ihn verfolgt und festgenommen. Erst im Laufe des folgenden Tages hätte sich dies als Irrtum herausgestellt.

Diesen Artikel teilen: