„Wir haben keine Chance, einen Bürgerkrieg zu vermeiden“

Der Althistoriker Prof. Dr. David Engels ist sich sicher: „Wir haben keine Chance, einen Bürgerkrieg zu vermeiden.“ Seine Prognose gründet er auf historische Vergleiche. Danach ist die EU ein Auslaufmodell: „In 20 bis 30 Jahren wird Europa ein autoritärer oder imperialer Staat geworden sein, nach einer Phase bürgerkriegsähnlicher Zustände und Verfallserscheinungen. So lassen es jedenfalls die Analogien zwischen der gegenwärtigen Krise Europas und dem Übergang der späten römischen Republik in den Staat des Augustus erwarten.“

Oswald Spengler

Dass es bei uns wie im untergehenden, dekadent gewordenen alten Rom zugeht, hält Engels für eine ausgemachte Sache. Die Parallelen seien: „Arbeitslosigkeit, Familienzerfall, Individualismus, Niedergang traditioneller Konfessionen, Globalisierung – damals in Form der Romanisierung -, Bevölkerungsniedergang, Fundamentalismus, Migration, Verarmung, ‚Brot und Spiele‘, Kriminalität, Polarisierung zwischen einer oligarchischen Politikerkaste auf der einen Seite und unzufriedenen ‚Populisten‘ auf der anderen …“

Der politischen Klasse und ihrem Apparat traut er nicht zu, den Verfall aufzuhalten: „Die großen deutschen Parteien wollen die wachsende Armut, die zunehmende kulturelle und politische Zerrissenheit und den Vertrauensverlust in die Demokratie nicht wahrhaben. Das ist historisch durchaus nachvollziehbar, führt aber dazu, dass ihnen von den Populisten das Wasser abgegraben wird – bis der Staat schließlich unregierbar wird, wie im spätrepublikanischen Rom: Trump, Farage oder Le Pen sind nichts anderes als moderne Variationen auf Catilina oder Clodius.“

Dabei ist der Aufmerksamkeit des Historikers etwas Wichtiges entgangen:

In den rund 8.000 halbwegs überschaubaren Jahren der menschlichen Geschichte war der wissenschaftlich-technische Fortschritt regelmäßig eine Schnecke. Generationen von Menschen lebten so wie die jeweils vorangegangene. Das hat sich erst seit relativ kurzer Zeit, und zwar seit gerade einmal etwas mehr als 200 Jahren, radikal verändert. Die von Europa ausgegangene Explosion der wissenschaftlich-technischen Entwicklung fegt alle alten Gewissheiten der Menschheit hinweg. Oswald Spengler beschrieb 1922 ebenso sprachgewaltig wie treffend jene scheinbar immer wiederkehrenden Gestalten und Formen historischer Entwicklungen, auf die jetzt David Engels Bezug nimmt. Spengler war dabei offenbar der abschließende Charakter seines Werkes nicht bewusst: Er beschrieb eine Menschheitsgeschichte, die es seit 1789 nicht mehr gibt.

Alle Politik ist seither der – bislang im Regelfall den Handelnden noch unbewusste – Versuch, den Staat anzupassen an die sich ständig verändernden Lebensumstände der Menschen, deren Ursache das rasende Tempo der durch neue Technologien geschaffenen Fakten ist, die es nicht unmöglich, aber schwer machen, dem organisierten, bewussten, politischen Handeln wieder Gewicht gegenüber dem Ökonomischen zu geben.

Jahrzehntelang tobte sich ein Extremismus aus von „Familienzerfall, Individualismus, Niedergang traditioneller Konfessionen, Globalisierung (…), Bevölkerungsniedergang, Fundamentalismus, Migration, Verarmung, ‚Brot und Spiele‘, Kriminalität“ sowie den dazugehörigen Exzessen unserer „oligarchischen Politikerkaste“, deren führende Köpfe bis vor kurzem noch annahmen, den Staat auf Dauer schadlos wie einen Selbstbedienungsladen zur Befriedigung ihrer primitiven Bedürfnisse ausnehmen zu können. Und jetzt folgt die Korrektur. Das Pendel schlägt in die andere Richtung. Und das Ergebnis wird eine Zeit nicht des Bürgerkriegs sein, sondern der Sicherheit, der Vollbeschäftigung, der Gesundung der Familien, der Neubewertung von Heimat, Freiheit und Tradition.

Vielleicht gelingt es sogar, dem Begriff der Demokratie, der Volksherrschaft, einen neuen Sinn zu geben. Das aber setzt gerade das Aufkommen starker, glaubwürdiger Persönlichkeiten von hoher Autorität voraus, mit denen sich die betrogenen und im Namen der Demokratie getäuschten Menschen identifizieren können, die sich in Europa ebenso wie in den USA zu Millionen von jeder positiven politischen Erwartungshaltung abgesetzt haben.

Der Pendelschlag in die andere Richtung beginnt dort, wo jahrzehntelang die Exzesse der Familienzerstörer, der Individualisten, der Globalisierer und ihrer Politikerkaste besonders grausam gewütet und vielfach auch bereits die Lebensgrundlage des Volkes zerstört haben: in den USA.

Ja, Donald Trump ist ein Volkstribun. Aber eben nicht im römischen, sondern im modernen, ja sogar im amerikanischen Sinne. Er wird keinen Bürgerkrieg zulassen, sondern den Staat erneuern, ihn anpassen an die veränderten Verhältnisse der Zeit und damit der Welt ein Beispiel geben, dem nicht nur, aber gerade auch wir Europäer folgen werden.

Denn hier bei uns, im alten Europa, nahmen die Veränderungen ihren Anfang, die für die Zukunft der gesamten Menschheit eine neue Grundlage geschaffen haben: Auto-Mobilität. Luft- und Raumfahrt. Architektur und Straßenbau. Moderne Landwirtschaft und Medizin.

Mit alledem steht die Menschheit nicht am Ende, sondern am Anfang eines neuen Abschnitts der Geschichte. Und uns kommt die wunderbare Aufgabe zu, nicht deren Getriebene, sondern ihr Gestalter zu sein.

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