Das große Selbstzerfleischen in der AfD

Angesichts des Verhaltens einer selbsternannten Elite im AfD-Bundesvorstand, die sich um Akteure wie Frauke Petry, Albrecht Glaser und Alice Weidel geschart hat, ist der politisch interessierte Beobachter geneigt zu meinen, dieser Personenkreis bestehe aus lauter eingeschleusten U-Booten. Laut Medienmeldungen wurde das Mitte Februar im höchsten AfD-Gremium beschlossene Ausschlussverfahren gegen den Thüringer Landtagsfraktions- und Landesvorsitzenden Björn Höcke nach nun eineinhalb Monaten auch formal beim zuständigen Parteischiedsgericht eingereicht. Statt die leidige Angelegenheit im Sande verlaufen zu lassen, versteht es die Möchtegern-Elite der AfD in hervorragender Weise, alte Wunden immer wieder neu aufzureißen. Und das im Jahr der wichtigen NRW-Landtagswahl und anschließend der essentiellen Bundestagwahl!

Hier: Höcke T-Shirt!

Apropos Wahlkampf im einwohnerreichsten Bundesland der Republik: Über AfD-Landessprecher Marcus Pretzell, der zugleich neuer Ehemann von Frauke Petry ist, heißt es, er wolle das Thema der Massen-Invasion von Angela-Merkel-Gästen aus Übersee im Werben um Parlamentssitze in Düsseldorf möglichst ausklammern. Wegen seiner überproportional hohen Bevölkerungsdichte ist Nordrhein-Westfalen am schlimmsten von der Massenzuwanderung betroffen! Sollte Pretzell meinen, er könne aus der AfD zwischen Aachen und Porta Westfalica einen Abklatsch seiner Ex-Partei FDP machen, so möge er bedenken, dass erstens Schwarz-Gelb 2.0 kein Mensch braucht und zweitens für die Liberalen der tiefe Westen der Bundesrepublik eine Hochburg darstellt.

Es bleibt abschließend noch das Verhalten der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry zu thematisieren. Auf dem Parteitag der sächsischen „Alternativen“ am 26. März in Weinböhla wurden aus Gründen der Rechtssicherheit die ersten Plätze der Landesliste für die Bundestagswahl erneut gewählt. Die 41-jährige Petry wurde als Spitzenkandidatin bestätigt, jedoch blies ihr seitens der anwesenden Höcke-Anhänger ein eisiger Wind entgegen. Dies traf sie so sehr, dass sie sich genötigt sah, vor versammelter Mannschaft in Tränen auszubrechen. Die Reaktion der Pretzell-Ehefrau entbehrt einer klaren Linie. Einerseits legt sie mit ihrer Positionierung in der Causa Björn Höcke die Lunte an die AfD, andererseits reagiert sie übermäßig emotional, wenn ihr deswegen die Meinung gegeigt wird. Kann Petry nicht erhobenen Hauptes zu ihrer persönlichen Linie stehen?

Sollte die selbsternannte Elite in der AfD ihr Zerstörungswerk fortsetzen können, wird die Partei unweigerlich scheitern. Interne Patrioten-Verfolgung und nach außen fehlender Biss, was der politisch-mediale Komplex mit größter Freude wahrnimmt, werden spätestens im Mai in Nordrhein-Westfalen für die AfD zum Desaster werden. Das Land zwischen Maas und Weser ist politisch betrachtet eine „harte Nuss“. Man denke nur an die Grünen, die seit 1983 im Bundestag vertreten sind, aber erst 1990 den Sprung in den Landtag Düsseldorf schafften. Die AfD ist hingegen noch nicht im Bundestag vertreten und wird es dieses Jahr auch nicht packen, sollte Nordrhein-Westfalen ein Schuss in den Ofen werden. Allerhöchste Zeit für eine grundlegende Kurskorrektur, um dem Anspruch einer „Alternative für Deutschland“ gerecht zu werden!

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3 Gedanken zu „Das große Selbstzerfleischen in der AfD

  • 3. April 2017 um 14:44
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    Nachrichten aus dem Westzipfel:

    Seit einer Woche ist der Straßenwahlkampf eröffnet:

    Bisherige Sichtung: 1 großes Plakat SPD, ein ebensolches von der CDU, 2 kleine Plakate von den Linken,

    von der AfD: NICHTS, NADA, NIENTE!!!

    Also einfach Nichts.

  • 3. April 2017 um 13:41
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    Sie sehen offensichtlich die Schuld für die Selbtzerfleischung der AFD bei Pretzel, Petry und gemäßigten AFD-Vertretern. Was Herr Höcke so von sich gibt, lässt eher vermuten, dass der ehemalige Geschichtslehrer aus dem Westen auftragsgemäß handelt, um der AFD vor der Bundestagswahl ein rechtsextremes Mäntelchen umhängen zu können. Auch der ehemalige hessische CDU-Staatssekretär Gauland läuft Gefahr, dass er im Auftrag der CDU handelnd wahrgenommen wird. Eigentlich müssten diese Herrschaften fähig sein, die Folgen ihres Auftretens – insbesondere in der ehemaligen BRD – abschätzen zu können. Auch der Umstand, dass Höcke sich für den Bundesparteitag als Delegierter wählen ließ, wohl wissend, dass er im Tagungshotel Hausverbot hat, lässt vermuten, dass er den Parteitag sprengen – zumindest stören – will. So handelt jemand, dem es um die Sache geht, m.E. nicht.

    Die aktuelle Situation ist angesichts des inszenierten Duells zwischen Merkel und Schulz für die AFD noch bedrohlicher. Für FDP und Grüne übrigens auch. Eine AFD unter 10 % wäre jedenfalls nicht hilfreich und darauf läuft es derzeit hinaus. Schade, sehr schade.

  • 3. April 2017 um 7:46
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    Damit machen sie die Wählbarkeit der Afd kaput ! es ist doch ein gefundenes Fressen für die Etablierten, das solch ein Kleinkrieg geführt wir und die Zeit drängt . Welche Partei ist denn alternativ zu wählen.Es sieht doch schon so aus als wenn das alles nur gesteurt wird. um bei den Etablierten zu bleiben .

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