Proteste gegen Merkel: Alles nur „abgehängte Ossis“?

Indem er sich des Stereotyps vom „abgehängten Ossi“ bedient, versucht Thomas Krüger (SPD), Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, die Protestwelle gegen Angela Merkel (CDU) und die relativ hohen Umfrage-Werte für die AfD zu erklären. Wörtlich äußerte der ehemalige „DDR“-Bürger Krüger: „Diese Wut und der Hass, der dieser Tage auf der Straße zu beobachten ist, beunruhigt mich schon sehr.“ Und führt fort: „Ich deute das als Ausdruck von Demütigung und Ohnmacht.“ Wer bereits in der DDR nicht zur Oberschicht gehört habe, sei gemäß Krüger heutzutage oftmals in der Gruppe der Unzufriedenen zu finden.

Die Bürgerbewegung pro Deutschland war eine wesentliche Akteurin, um die Anti-Merkel-Proteste im jetzigen Bundestagswahlkampf zu organisieren. Betrachtet man die Biographien führender pro-Deutschland-Aktivisten, so stellt man angefangen beim Vorsitzenden Manfred Rouhs das genaue Gegenteil eines Wendeverlierers fest, nämlich westdeutsche Herkunft und Zugehörigkeit zum Bildungsbürgertum. Krüger, der ein Profiteur des Jahres 1989 und dem links-protestantischen Amtskirchentum zuzurechnen ist, bedient sich eines sehr fadenscheinigen Musters: Wir, die sachlich agierenden Gewinner, und die anderen, die irrational agierenden Verlierer.

Ferner unterschätzt der 58-jährige, dass diejenigen, die – wie auch er – über eine „DDR“-Biographie verfügen, sich jedoch heute gegen das bundesrepublikanische Establishment auflehnen, oftmals ein sehr feines Gespür für totalitäre Entwicklungen haben. In der „DDR“ war es das SED-geführte Blockparteien-System, das jeden Widerspenstigen zum Staats- und Klassenfeind stigmatisierte, während mittlerweile der Kreis selbsternannter Demokraten von Unionsparteien bis „Die Linke“ in eine ganz ähnliche Rolle schlüpft. Die „DDR“-Bürger haben nicht das SED-Regime zum Teufel gejagt, um etwas später in einer vergrößerten Bundesrepublik ein Déjà-vu zu haben.

Abschließend bleibt festzustellen, dass die Ablehnung der „alternativlosen“ Bundeskanzlerin Merkel ihre völlige moralische Berechtigung hat. Krüger als Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung sollte eigentlich klar sein, wie sehr das Recht auf friedlichen Protest gegen die politisch Mächtigen zum Wesenskern einer Demokratie gehört. Solchen Unwillen moralisch diskreditieren zu wollen, zeugt ganz sicher nicht von einem lupenreinen Demokraten, als der Krüger sich offenbar selbst sieht.

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Ein Gedanke zu „Proteste gegen Merkel: Alles nur „abgehängte Ossis“?

  • 24. September 2017 um 13:15
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    ‚ Krüger als Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung sollte eigentlich klar sein, wie sehr das Recht auf friedlichen Protest gegen die politisch Mächtigen zum Wesenskern einer Demokratie gehört. Solchen Unwillen moralisch diskreditieren zu wollen, zeugt ganz sicher nicht von einem lupenreinen Demokraten, als der Krüger sich offenbar selbst sieht.  ‚            + + +                             Anmerkung: Das sogenannte Pack* wird durch derartige Überheblichkeit dieses Praesidenten (der vermutlich ebenfalls an eigene unschöne Jahre in der D D R zurück denkt) ganz sicher darin bestärkt, daß dies Pack wieder erkennt:   Günstline des alten Systems wollen mit Klauen und Zähnen ihre gewohnte Privilegien verteidigen. Deshalb möge  der Herr Praesident sich jetzt erinnern, daß die Zeit  der damaligen Führung in der besetzten DDR 1989 abgelaufen war.

    Der Tag einer neuen Wende in 2917 erscheint greifbar nahe – meint ein Heidebauer – 24.09.2017

     

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